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Einweihung des Skulpturenparkes „Quintett“

Dienstag, 19.05.2009

Kunst und Kultur in Radebeul werden immer wieder und durchaus nicht grundlos mit einem engen Verhältnis zur Lößnitzlandschaft in Verbindung gebracht. Nun ist nichts sinnfälliger für dieses Verhältnis als Kunst im öffentlichen Raum.
Fünf Radebeuler Bildhauer haben sich gemeinsam in ein Projekt begeben, welches die Stadt nach der Neugestaltung des Parks an den Landesbühnen geplant hatte. Dank der zeitigen Einbeziehung dieser Künstler in die Beratungen konnte aus der ursprünglich konventionellen Idee der Aufstellung von Plastiken in Zusammenarbeit mit dem Architekten, der Bauverwaltung, dem Oberbürgermeister und schließlich den Stadtratsgremien eine völlig neue Art der Präsentation entwickelt und ausgeführt werden. Sicher wird es nun die unterschiedlichsten Meinungen geben. Aber was wäre Kunst, wenn sie nicht zum Nachdenken und Diskutieren anregen würde - sie wäre langweilig und dies sind die plastischen Arbeiten keineswegs.
Das "Quintett" beruht ursprünglich nicht auf einem gemeinsamen künstlerischen Konzept - es gab nur die Idee gemeinsam etwas zu schaffen. Und so trafen die KünstlerInnen eigene Entscheidungen, die sie am Ende wieder zusammen führten.
Fünf verschiedene Handschriften, fünf verschiedene Töne fanden sich zu einem harmonischen Klang, wie er von einem "Quintett" zu erwarten ist. Die Arbeiten an den Masten setzen ein Zeichen, das nicht nur weithin sichtbar ist, sondern das auch vom Verhältnis der Stadt zu seinen Künstlern künden soll. Ganz wichtig ist die kräftige Farbgebung, die nicht von vornherein so abgesprochen worden war. Auch hier entwickelte jeder Künstler seine eigenen Vorstellungen, die jetzt aufs Beste miteinander zusammenwirken. Der Skulpturenpark trägt wesentlich zur Belebung und Aufwertung des Ortes bei und bildet einen weiteren Baustein bei der Entwicklung von Radebeuls "Grüner Mitte". Inmitten des Grüns ist die genannte Farbgebung geradezu unerlässlich, um Aufmerksamkeit zu wecken.
"Skulpturale Zeichen", eine Aussage, die Gabriele Reinemer einmal zu ihren Plastiken traf, ist m.E. auch eine treffende Kennzeichnung für alle Arbeiten im Park. Bewegung und Balance sind weitere verbindende Beschreibungen der Arbeiten. Alle KünstlerInnen mussten sich einem Thema stellen - dem Wind. Wie man sich vorstellen kann, ist die Windlast bei diesen Größen enorm. Wenn man ein Problem hat, sollte man sich einen Verbündeten suchen und sie fanden ihn - im Wind. Denn dieser wird sinngemäß Bestandteil der Plastiken. Allen gemeinsam ist die Bewegung im Wind - rotierende Scheiben, ein wehendes Tuch und andere sich drehende Elemente wie ein Mond oder ein Kopf verleihen dem fröhlich, spielerischen Eindruck zusätzlich Dynamik. Alles ist jedoch so eingestellt, dass die Bewegungen harmonisch und nicht hektisch verlaufen.
Bei aller Individualität ist ein Werk entstanden, welches geradezu als beispielhaft für eine Künstlergruppe und dies war nur eine Gruppe auf Zeit, gelten kann.

  • Prof. Ursula Sax wurde in Backnang, in der Nähe von Stuttgart geboren. Sie studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und war Meisterschülerin an der West-Berliner Hochschule der Bildenden Künste. Nach Professuren in Berlin, Braunschweig und Dresden lebt und arbeitet sie seit 2000 in Radebeul. Sie sagte einmal, "das Beständigste an ihr ist die Veränderung." Und so hat sie im Laufe der Jahre mit vielen Materialien und in verschiedensten Dimensionen gearbeitet. In letzter Zeit beschäftigte sie sich mit Interpretationen der Fastentücher, durchbrochenen, zum Teil überdimensionalen Papierarbeiten. Die Idee hat hier starken Einfluss und so entstand ein Segel, welches sich mit seinem stofflichen Charakter nun scheinbar leicht im Raum bewegt. In seiner nicht perfekten Form setzt es einen reizvollen Kontrapunkt zu den perfekten Flächen der anderen Plastiken.
  • Gabriele Reinemer kam in Dresden zur Welt und absolvierte ein erstes Studium der Maskenbildnerei in ihrer Geburtsstadt. Diesem schloss sich ein Kunststudium an der Berliner Kunsthochschule in Weißensee an. Sie ist bekannt für ihre schlanken handhabbaren Stelen, aber erstmals hat sie ein Werk in einer solchen Dimension geschaffen. Der Mond an der Spitze ist ein immer wiederkehrendes Motiv in ihrem Œuvre. Letzte Woche wurde ich von einem Passanten gefragt, "ob ein Türke bei den Bildhauern wäre". Erstens, im Westen würde man sich vielleicht wundern, wenn nicht ein Türke dabei wäre und zweitens, es ist erstaunlich, welche Reflexe eine einfache Mondsichel hervorruft, mit der sich bisher jegliche Kultur der Menschheit beschäftigt hat (man denke nur an die Mondsichelmadonna in der christlichen Kunst). Die Senkrechte bestimmt die Plastik. Die Figur ist in sich gebunden. Torsi in unterschiedlichen Materialien wie Bronze oder Pappmaché dominieren die Arbeit von Gabriele Reinemer, denen sie als eigenständige Werke neues Gewicht verliehen hat. Und die Plastik fügt sich - stark stilisiert - in diese Gruppe ein.
  • Prof. Detlef Reinemer ebenfalls geborener Dresdner, studierte nach der Ausbildung an der Freitaler Porzellanmanufaktur an der Dresdener HfBK bei Walter Arnold, Gerd Jaeger und Herbert Naumann. Seit 1992 ist er Professor an der HfBK und erhielt 1998 den Radebeuler Kunstpreis. Detlef Reinemer ist der Vertreter der keramischen Plastik per excellence. Seine Figuren verfügen in der Regel über hintergründigen Witz, über Ironie. Und ich glaube, er bleibt sich diesem Prinzip auch im ungewohnten Material treu. Mit seinem Totempfahl nimmt er ein quasi Ur-Radebeuler Thema auf. Der Totempfahl, richtiger Familienpfahl, findet sich nicht nur in Nordamerika er findet sich im Karl-May-Museum. Stark stilisiert werden nur Elemente aufgenommen. Aber schaut diesem scheinbar ernsten Gesicht nicht ein wenig der Schalk aus den Augen, verbirgt sich der Kopf nicht hinter einer Maske, die auch eine venezianische Pestmaske sein kann oder eine Theatermaske? - die Landesbühnen sind nicht fern.
  • Fritz Peter Schulze, in Dresden geboren, absolvierte die Fachhochschule für Angewandte Kunst in Schneeberg als Diplom-Holzgestalter und ist auch bis heute vor allem dem Element Holz verbunden. Hier arbeitet er mit Aluminium, bleibt sich aber treu in seiner abstrakt-geometrischen Formensprache. Das Objekt ist in Farbe und Form perfekt ausbalanciert. Fritz Peter Schulze entlockt dem Material plastische Zeichen. Der russische Bildhauer Naum Gabo charakterisierte bereits 1920 im "Realistischen Manifest" diese Art skulpturaler Gestaltung: "Wir verzichten auf das Volumen des Raumes … Wir lehnen die feste Masse als bildnerisches Element ab … Wir erklären, dass die Elemente der Kunst ihre Grundlage in einem dynamischen Rhythmus haben."
  • Wolf-Eike Kuntsche, geborener Berliner, studierte ebenfalls an der HfBK in Dresden u.a. bei Gerd Jäger und Walter Arnold. Sein bekanntestes Werk ist sicher die Stahlplastik "Völkerfreundschaft" auf der Prager Straße, die m.E. nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Jene Arbeit besitzt ein sehr dynamisches Element, aber ganz anders präsentiert der Künstler sich hier. Dynamisch ist die Plastik nicht in einer eingefangenen Bewegung, sondern sie ist beinahe Bewegung pur. Zylinder, Scheiben - alles dreht sich. Auch wenn die Spirale eine scheinbar endlosen Weg vorzeichnet, letztendlich bewegen wir uns stets um uns selbst - die Erde macht es uns vor. Ebenso bleibt der scheinbar so unabhängige Wind, verdeutlicht durch den, an der Spitze trohnenden Windmesser, Gefangener dieser Bewegung - aber ein fröhlicher.
    Friedrich Hölderlin war und ist als anregender Dichter für viele Künstler von großer Bedeutung. Sein Epigramm klingt vielleicht ein wenig belehrend, trifft aber den Kern der Dinge: "Lerne im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben. Siehst du das eine recht, siehst du das andere auch.

 

Alexander Lange

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