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Albert Weisgerber, Gemälde und Zeichnungen - vom 11. Juli bis 17. August 2008 in der Stadtgalerie Radebeul

Freitag, 04.07.2008

Der 1878 in St. Ingbert geborene Maler Albert Weisgerber gehörte zu den großen Begabungen der deutschen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
1915 fiel er mit nur 37 Jahren als Leutnant und Kompanieführer bei Fromelles in Flandern. Damit endet sein vielversprechendes Künstlerleben im Ersten Weltkrieg. Doch ungeachtet der wenigen Jahre, die ihm zur Realisierung seiner künstlerischen Ziele blieben, schuf Weisgerber ein umfangreiches und vielschichtiges Werk, das wesentliche Positionen der Moderne vom späten Impressionismus bis zu einem Expressionismus eigener Prägung durchlief.

Schon auf der Lateinschule in St. Ingbert war Weisgerber durch seine zeichnerische Begabung aufgefallen. Nach einer Lehre in der Kreisbaugewerbeschule in Kaiserslautern zog in es ihn in die bayerische Metropole. Seit 1894 Schüler an der Kunstgewerbeschule, schaffte er 1897 den Sprung an die Münchner
Akademie, wo er sich neben Künstlern wie Wassily Kandinsky und Paul Klee zur den viel beneideten Schülern des Malerfürsten Franz von Stuck zählen durfte. Mit dem Eintritt in die Münchner Akademie knüpfte Weisgerber Kontakte zur progressiven Münchner Zeitschrift »Jugend«, einem satirisch-
humoristischen Unterhaltungsblatt, das ihn über viele Jahre hinweg finanziell stützte und seine besondere Befähigung als Illustrator auch beim breiten Publikum bekannt machte. In München, wo er studierte und bis zu seinem frühen Tod lebte, errang er als Maler schon früh einen herausragenden Namen. Dennoch prägte Paris als Kristallisationspunkt der Moderne sein Werk nachhaltig und gab ihm wesentliche Impulse. Noch um die Jahrhundertwende
Schüler Franz von Stucks, löste er sich bald aus der Tradition der Münchner Malerschule und brach im Herbst 1905 nach Paris auf. Zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 und dem Ersten Weltkrieg übernahm Paris in der Entwicklung der modernen Kunst eine führende Rolle. Die französische
Hauptstadt wurde zu einem Zentrum des revolutionären Kunstgeschehens, das Künstler und Intellektuelle unterschiedlichster Herkunft in ihren Bann zog.
Auch auf Weisgerber wirkte die einzigartige Atmosphäre der Pariser Kunstwelt stimulierend. Im legendären Pariser Café du Dome, dessen Künstlerkreis er von 1905 bis 1907 mit Unterbrechungen fast zwei Jahre hinweg angehörte, traf er sich mit Hans Purrmann, Rudolf Levy, Jules Pascin und wurde mit Henri
Matisse persönlich bekannt. Die Pariser Erfahrungen spiegeln sich in zahlreichen Gemälden, die Weisgerber als einen wichtigen Vermittler zwischen der deutschen und französischen Kunst erscheinen lassen. Mit der Ernennung zum Vorsitzenden der 1913 gegründeten »Neuen Münchner Sezession«
stand Albert Weisgerber schließlich an der Spitze einer der fortschrittlichsten Künstlervereinigungen vor dem Ersten Weltkrieg.

Andrea Fischer

 

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Datum: 02.09.2014