Der Stadt Radebeul wurde in der letzten Woche bekannt, dass der Fachbeirat des Kulturraumes Elbtal mehrheitlich dafür votierte dem Kulturkonvent vorzuschlagen, dass Karl-May-Fest zukünftig nicht mehr zu fördern. Als Begründung wurde angeführt, es handele sich bei dem Karl-May-Fest um ein reines Volksfest und Volksfeste sollen zukünftig nicht mehr gefördert werden. Diese überraschende Entscheidung und ihre Begründung wurde seitens der Stadt Radebeul mit Bestürzung und Unverständnis aufgenommen. Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) dazu: "Die Begründung klingt wie blanker Hohn, setzt sie doch die Karl-May-Festtage mit einem Jahrmarkt oder Rummel gleich. Sie verkennt die überregionale Ausstrah-lung des Festes mit seinem völkerverbindenden und kulturellen Anspruch im Sinne Karl Mays völlig. Jeder, der die Festtage aus eigenem Erleben kennt weiß um deren kulturellen Gehalt und internationalen Anspruch".
Herr Landrat Kutschke (CDU), Landrat von Riesa-Großenhain und Vorsitzender des Kulturkonvents äußerte auf Rückfragen von OB Wendsche seinerseits ebenfalls Unverständnis über die Entscheidung des Fachbeirates und sicherte eine nochmalige Überprüfung der Entscheidung zu.
Aus Sicht der Stadt Radebeul wirft die Entscheidung folgende grundsätzlichen Fragen auf:
Nachdem im Vorjahr der Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, Mister Timken jun. die Schirmherrschaft über das Karl-May-Fest übernommen und das Fest selbst besucht hatte, wird dies in diesem Jahr aller Voraussicht nach dankenswerterweise der Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Deutschland, Mister Scheland übernehmen. Gleichzeitig ist das Generalkonsulat an einer langfristigen Zusammenarbeit zur Stärkung des Festprofils im Bezug auf die Darstellung der Kunst und Kultur der nordamerikanischen Indianer in Vergangenheit und Gegenwart interessiert. Die entsprechenden Gespräche zwischen dem Generalkonsulat und der Stadt Radebeul sind bereits weit fortgeschritten. Der Radebeuler Kulturamtsleiter, Herr Alexander Lange fragt sich daher: "Wie passen die große Unterstützung seitens der Vertreter der Vereinigten Staaten in Deutschland auf Grund des völkerverbindenden und überregional ausstrahlenden Charakters des Festes und die Verweigerung einer Förderung durch den Kulturraum Elbtal angesichts des angeblich reinen Volksfestcharakters zusammen?"
Der zuständige Bildungs- Kultur- und Sozialausschuss der Stadt Radebeul hat sich in seiner Sitzung am 23.1.2007 mit dieser Situation beschäftigt. Welche Auswirkungen hat der wahrscheinliche Ausfall der Kulturraumgelder i.H.v. 35 T€ bei einem Gesamtetat von 210 T€ (da-von Stadt 50 T€; Eintritt, sonstige Erlöse und Sponsoren 125 T€) für das Karl-May-Fest? Der Ausschuss erklärt, einstimmig alle Bemühungen der Stadt zum Erhalt der Kulturraumförderung vorbehaltlos zu unterstützen.
Auf Grund der hohen kommunalpolitischen Brisanz legt der Ausschuss die Entscheidung, ob das diesjährige Karl-May-Fest stattfinden kann oder nicht, in die Hände des Stadtrates am 21. Februar.
Oberbürgermeister Wendsche ist angesichts der Dramatik der Situation froh über diesen Rückhalt im Ringen um eine Zukunft der Radebeuler Karl-May-Festtage. Er betont: "Karl-May und Wein sind die Wurzeln unseres kulturellen und touristischen Profils. Der drohende Wegfall der Förderung für das Karl-May-Fest setzt die Axt an die Wurzeln."
Radebeul, den 24.01.2007
Link: www.radebeul.de/Aktuelles/Aktuelle+Meldungen/Archiv+2007/Traditionsreiche+Karl_May_Festtage+sind+in+Gefahr.print
Datum: 21.05.2012